...... was ist eine Steelband?

Herkunft und Geschichte

(ein Exkurs von Mathias Kauer, 'Panorama-Steeldrums', 8057 Zürich)

Die Pan, wie die Steeldrum unter Spielerinnen und Spielern auch gerne genannt wird, entstand mehr oder weniger zufällig Ende der 30er Jahre auf der Karibikinsel Trinidad. Die jugendlichen männlichen Nachfahren der von den europäischen Siedlern aus Afrika importierten Sklaven zogen am Carnival, wie die Fasnacht dort genannt wird, mit grossen und kleinen Bambusstöcken, Metalldeckeln und -dosen, vollen und leeren Gin- und Rumflaschen und Kanistern durch die Quartiere der Hauptstadt Port-of-Spain. Mit ihrem rhythmischem Spiel begleiteten sie ihre Sänger, die in Versform, ähnlich unseren Schnitzelbänken, politische und gesellschaftliche Begebenheiten besangen. Mädchen hatten in diesen Bands nichts zu suchen, gerieten doch die Spieler am Carnival öfters in Händel mit rivalisierenden Bands, was immer in blutige Schlägereien ausartete. Für richtige Musikinstrumente hatten sie kein Geld, weil die meisten Jugendlichen aus unterprivilegierten Bevölkerungsschichten stammten.

Durch das stundenlange rhythmische Schlagen der Kanister verformten sich die "Spielflächen" und mit der Zeit entstanden Beulen. Um wider den ursprünglichen Ton zu erlangen, wurden die Beulen zurückgeschlagen, wobei sie, zur Verwunderung der Spieler, Töne von sich gaben. Nun wurden die Blechkanister so bearbeitet, dass sich 2, 3 oder mehrere Töne ergaben, und Ende der 40er Jahre wurden die dünnblechigen Kanister durch die stabileren Ölfässer ersetzt. Die Rivalitäten unter den Bands wurden nun nicht mehr handgreiflich, sondern musikalisch ausgetragen, was zur Einführung des PANORAMA Steelband-Wettbewerbs führte, der alljährlich am Carnival unter den rund 50 Steelbands in Trinidad & Tobago, wie der seit 1962 von England unabhängige Staat heute heisst, ausgetragen wird und jedes Jahr mehr Fans dieser faszinierenden Musik aus aller Welt anlockt. In den 50er Jahren sprang der Steelband-Funke auf andere Karibikinseln, in die USA und Kanada, sowie nach England über, von wo er 1977, mit der Gründung der ersten Stellband TROPEFIEBER in Zürich, endlich auch die Schweiz erreichte.  

 

Instrumente:

Foto Single Melody

Bild: Auch das Single Melody besteht aus einem ausgedienten Ölfass. Von der Stimmung am höchsten, umfasst es chromatisch gestimmt ca. 30 Töne und hat somit den grössten Tonumfang eines Steeldrum's. Das Melody (es ist auch als Tenor Pan bekannt) ist das Lead Instrument in der Steelband. Mit diesem Instrument werden vor allem Melodien und Solos gespielt. Es entspricht, übertragen auf ein normales Orchester, der Geige - und bei einem Chor, die Sopranstimme

Die meisten Pans, die in der Schweiz gespielt werden, stammen aus England und werden von Steeldrumbauern karibischer Herkunft aus neuen und gebrauchten Fässern immer noch in mühsamer Handarbeit hergestellt. Das Instrumentarium einer Steelband umfasst einen Tonumfang von gut 4 Oktaven und besteht aus  vier Grundtypen, vergleichbar mit einem klassischen Streichorchester:
Die Melody-Pan (Sopran) mit einem Tonumfang von gut zwei Oktaven entspricht der Geige, die Second-Pan (Alt) der Bratsche, die Guitar-Pan (Tenor) dem Cello und die Bass-Pan (Bariton/Bass) dem Kontrabass.
Je tiefer die Noten, desto grösser das Notenfeld. Damit auch in den mittleren und tiefen Lagen mit genügend Tönen gespielt werden kann, werden die Notenfelder der Seconds und Guitars gerne auf 2 oder 3, die Bässe sogar auf 3 bis 6 Fässer verteilt. Typische afro-cubanische Rhythmusinstrumente wie Congas, Maracas, Guiro, Claves etc und/ oder ein Schlagzeug vervollständigen das Instrumentarium einer Steelband.

Der Herstellungsprozess eines Pans:
Mit freundlicher Genehmigung der Kanofetti-Steelband, 4717 Mümliswil: 
www.kanofetti.ch

Grundmaterial

Das Ausgangsmaterial für die Herstellung einer Stahltrommel ist ein 208 Liter Öl-Fass mit einem Durchmesser von 58 cm.
Heute werden die Pan's wie die Stahltrommeln auch genannt werden, aus neuen Fässern oder direkt aus Stahlblech hergestellt.
Die Herstellung aus Stahlblech hat den Vorteil, dass auch rostfreie Bleche verwendet werden können und wenn nötig kann das Blech noch gehärtet werden. Dies hat zur Folge, das die Pan's viel seltener nachgestimmt werden müssen.

Das Einsinken (Sinking)

Als erstes wird der Fassboden mit Fausthämmern so vertieft, dass eine gleichmässige konkave Form entsteht. Dabei wird das Blech gedehnt und es verdünnt sich so besonders gegen die Mitte hin.
In der Mitte werden später ebenfalls die hohen Töne platziert und die tiefen Töne werden am Rande angelegt.
Die Vertiefung ist bei den Bass Pan's  nicht so sehr ausgeprägt, dagegen bei den Melodyinstrumenten mit einer Vertiefung von ca. 20 cm erheblich.

Die Notenfelder (Grooving)

Die Notenfelder werden entweder durch eine  Art Schablone oder freihändig auf die konkave Fläche aufgezeichnet.

Um die aufgezeichneten Notenfelder wird mit einem stumpfen Dorn der Millimeter um Millimeter eine Rille geschlagen bis das Notenfeld mit dieser Rille umrandet ist.
Diese Rille soll die Flächen akustisch klar voneinander trennen

 

Der Mantel (Skirt)

Je nach Art des Instrumentes wird nun entsprechend die Länge des Mantels  bestimmt und gekürzt.
Der Bass behält in der Regel die ganze Mantellänge, das Melody behält nur noch ca. 12 cm.

Das Erhitzen (Burning)

Das Pan wird mit der Spielseite nach unten über einem behelfsmässigem Feuer erhitzt.
Durch das anschliessende abkühlen wird die Härte des Stahlbleches erhöht. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Instrument die Stimmung auch behält.

Das Stimmen (Tuning)

Das Stimmen des Instruments erfordert viel Geschick und eine grosse Erfahrung. Durch leichtes Hämmern von oben oder von unten wird das Notenfeld auf die richtige Tonhöhe getrimmt. Die Stimmung des Instrumentes erfolgt vom höchsten zum tiefsten Ton und kann je nach Tonumfang mehrere Tage dauern

Der letzte Schliff.....


Gegen Rost (oder auch nur zur Verschönerung) wird das soweit fertige Instrument in einem separaten Prozess Verzinkt, Vernickelt oder Verchromt.
Dieser Prozess macht jedoch zum Teil die Arbeit des Stimmens wieder zunichte. Es ist die Aufgabe des Tuners in der letzten Stimmrunde dem Pan auch akustisch seine letzten Schliff zu geben.

 

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